Konzertchronik
2026
The Ecstasies Above - Musik zwischen Himmel und Erde
Im Zentrum des Konzerts steht Tarik O’Regans „The Ecstasies Above“ für Doppelchor, Solist*innen und Streichorchester. Eine Musik voller Leuchtkraft und Spiritualität. Warum berührt uns Engelsgesang tiefer als jedes gesprochene Wort? Und wie vermögen Klang und Raum unser Bewusstsein zu weiten und unsere Herzen für das Unsagbare zu öffnen? Diesen Fragen widmet sich das John Sheppard Ensemble in einem Programm mit englischer Chormusik vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Den Beginn bildet ein Meilenstein der Chorliteratur: Thomas Tallis’ Motette Spem in alium für vierzig Stimmen. Vier zehnstimmige Chöre lassen den Klang durch den Raum wandern – kreisend, antwortend, sich steigernd bis zum machtvollen Tutti. Der Raum selbst wird zum Mitspieler; das Publikum befindet sich mitten im Geschehen.
Mehr als drei Jahrhunderte später greift Ralph Vaughan Williams diesen Gedanken auf. Seine Fantasia on a Theme by Thomas Tallis entfaltet sich zwischen Hauptorchester, Fernorchester und Streichquartett. Alte modale Wendungen verschmelzen mit einer neuen, schwebenden Klangsprache. Vergangenheit und Gegenwart spiegeln sich – und schaffen eine zeitlose, typisch „englische“ Klanglandschaft.
Mit Will Todd’s Angel Song II erklingt zeitgenössische Vokalmusik: Aus den Vokalen des „Hosanna“ entsteht ein feines, sich stetig verwandelndes Klanggewebe. Die Stimmen umkreisen das Publikum und lassen einen Eindruck von Schwerelosigkeit entstehen.
Im Zentrum des Programms steht George Dysons groß angelegtes Hierusalem. Für Chor, Solosopran, Orchester, Harfe und Orgel komponiert, zeichnet das Werk den Weg einer irdischen Seele, die nach Erlösung und Aufnahme in die himmlischen Sphären verlangt. Der Chor verkörpert die vielgestaltige Musik der Engel – von Psalmen und Lobgesängen bis zum leisen, erlösten Verklingen in entrückter Stille.
Die doppelchörige Motette Faire is the heaven von William H. Harris führt diesen Gedanken fort: Sie besingt die seligen Seelen und fragt zugleich, ob eine „sterbliche Zunge“ je die Vollkommenheit himmlischen Gesangs erreichen könne.
Auch Tarik O'Regan greift diese Frage in The ecstasies above nach einem Text von Edgar Allan Poe auf. Im Mittelpunkt steht der Engel Israfel, dessen Gesang selbst die Sterne verstummen lässt. Virtuose Rhythmen, schillernde Klangflächen und das Zusammenspiel von Solistengruppen, Chor und Streichern lassen Bewunderung und Sehnsucht gleichermaßen hörbar werden.
Den Abschluss bildet Charles Hubert Hastings Parry’s festliche Hymne I was glad nach Psalm 122. Sie richtet den Blick auf das himmlische Jerusalem – als Ort des Friedens, der Hoffnung und der Vollendung.
| Thomas Tallis (1505-1585) | Spem in alium für (vier zehnstimmige Chöre oder 40 Stimmen) |
| Ralph Vaughan Williams (1872-1958) | Fantasia on a Theme by Thomas Tallis |
| Will Todd (*1970) | Angel Song II |
| George Dyson (1883-1964) | Hierusalem |
| William H. Harris (1883-1973) | Faire is the Heaven |
| Tarik O’Regan (*1978) | The Ecstasies Above |
| C. Hubert H. Parry (1848-1918) | I was glad |
Lettische Weihnacht
Ēriks Ešenvalds: eine Weihnachtsgeschichte
Es musizieren: Das John Sheppard Ensemble mit Mitsingchor sowie ein Instrumentalensemble und Solisten.
Ēriks Ešenvalds zählt zu den beliebtesten Chormusik-Komponisten unserer Tage. Seine etwas andere Weihnachtsgeschichte nimmt das Publikum mit auf die Reise der Heiligen Drei Könige, die auf ihrem Weg zum neugeborenen Jesuskind vielerlei Hindernisse zu überwinden haben. Musikalisch treffen a-cappella-Chorklänge auf Live-Elektronik, Singer-Songwriter-Stil auf klassischen Gesang, Percussionensemble auf Blockflöten und gestimmte Flaschen - ein bunter Mix von Klängen und Stilen, der die Herkunft und die Reise der Könige eindrücklich in Szene setzt. Ergänzend erklingen traditionelle lettische Weihnachtslieder, die vom John Sheppard Ensemble, seinem Mitsingchorprojekt und den Solist*innen und dem Publikum gemeinsam musiziert werden.