2 0 0 4            

 

2. April 2004 (Freiburg), 3 und 4. April 2004 (Basel)
Händel / Bach

 

Johann Sebastian Bach: Kantate 'Wachet, Betet!' BWV 70

Friedrich Händel: Dixit dominus

___________


John Sheppard Ensemble Freiburg
Cantate Kammerchor Basel
Barockorchester ad fontes

Miriam Feuersinger, Sara Bilen - Sopran
Bernhard Schafferer - Altus
Andreas Gisler - Tenor
Markus Volpert - Bass
Johannes Tolle - Leitung

___________________________________________

P r e s s e s t i m m e :


Die Zeit steht still

John Sheppard Ensemble und Cantate Kammerchor in Freiburg mit Händel und Bach

Lange Zeit standen die Werke Bachs in der Welt des Chorgesangs höher im Kurs als die Händels. Sicherlich, der "Messias" war von jeher äusserst populär. Doch die eigentliche Bewunderung galt den grossen Passionen Bachs und seiner h-Moll-Messe. Die Wertschätzung Bachs ist geblieben, zugleich aber hat Händel aufgrund der Renaissance seiner Opern an Renommee gewonnen. Das zeigte sich auch in der Freiburger Martinskirche, wo das John Sheppard Ensemble Freiburg und der Cantate Kammerchor Basel zusammen mit dem auf Originalinstrumenten musizierenden Barockorchester ad fontes Werke von Bach und Händel einander gegenüberstellten. Unter der Leitung von Johannes Tolle wurde unmissverständlich klar, dass sich Händel in der Psalmenkomposition "Dixit Dominus" von seiner fesselndsten musikdramatischen Seite zeigt. Ein Feuerwerk von Einfällen ist es, das der noch junge Händel hier entfacht und mit dem Tolle entsprechend zupackend die Hörer in Bann schlägt. Im Ohr bleiben insbesondere der mit Ausrufezeichen musizierte Satz "Juravit Dominus", das insistierende Staccato-Hacken bei "conquassabit capita" ("er wird die Häupter zerschmettern") und nicht zuletzt der gross angelegte Schlusschor, in dessen schwieriger Polyphonie sich die rund fünfzig Sänger und Sängerinnen mühelos zurechtfanden.

Flüssig mit ausdrucksstarker Dynamik Bachs Kantate "Wachet! Betet!" klang gegenüber soviel jugendlichem Elan ziemlich routiniert. Dem hätte eine stärkere Pointierung des einen oder anderen Details vielleicht entgegenwirken können. Gleichwohl musizierte Tolle den Einleitungschor flüssig und mit ausdrucksstarker Dynamik. Es folgen Rezitative und Arien für die vier Solisten Miriam Feuersinger (Sopran), Bernhard Schafferer (Altus), Stefan A. Rankl (Tenor) und Markus Volpert (Bariton). Auch Bach malt kräftig mit Musik, lässt "der Posaunen Schall" erklingen und hällt den "seligsten Erquickungstag" in einen zarten pastoralartigen Ton. Wenn allerdings Händel eine ähnliche Idylle zeichnet ("De torrente in via bibet"), als ein Duett für Soprane, wie es Sara Lilly-Bilén und Miriam Feuersinger in schönster Eintracht gestalteten, dann scheint die Zeit stillzustehen.

Elisabeth Schwind, (Badische Zeitung, April 2004)