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23. Juni 2002 (Kaufhaussaal Freiburg)
A-cappella-Werke
aus der Romantik und dem 20. Jahrhundert

 

Felix Mendelssohn: 3 Volkslieder op. 41, 2-4
Fanny Hensel: Hörst Du nicht die Bäume rauschen op. 3 (Gartenlieder)
Robert Schumann: Der traurige Jäger, op. 73 Nr.3,
Gute Nacht (Text: Rückert)
Johannes Brahms: In stiller Nacht ("Deutsche Volkslieder" Nr. 8),
aus op. 62: Rosmarin, Waldesnacht, Dein Herzlein mild, Ein Wehen,
aus op. 104: Nachtwache I & II
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Claude Debussy: Trois chansons
Francis Poulenc: aus "Sept chansons":
La blanche neige, A peine defiguree, Belle et ressemblante
Maurice Ravel: Trois chansons

(Textrezitation: Steffen Schwarzer)

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P r e s s e s t i m m e :


John-Sheppard-Ensemble: Lebendige Präzision

Als das Publikum nach dem Chorsatz "Nachtwache II" in spontanen Applaus ausbrach, fragte man sich, warum es sich bislang so zurückgehalten hatte. Der Satz stand am Ende der ersten Hälfte des "Konzerts a cappella" des John-Sheppard-Ensembles im Freiburger Kaufhaussaal: weltliche Chorsätze von Felix Mendelssohn Bartholdy, seiner Schwester Fanny Hensel, Robert Schumann und eben Brahms.

Hier war gut zu hören, wie sich die Musik Schritt für Schritt freier entwickelte, von den schlichten, klaren Sätzen der Geschwister Mendelssohn über Schumanns schon freieren, den Text vertiefenden Ton bis hin zu Brahms' verwickelter, herber Schreibweise, die in ihrem Rückgriff auf ältere Motettenpolyphonie schon wieder archaisierend wirkt. Seine Gesänge op. 104, aus denen das Ensemble die beiden "Nachtwache"-Sätze nach Rückert sang, verlangen dem Chor sehr viel an Klarheit, Genauigkeit und homogenem Klang ab - was das Ensemble unter der zurückhaltenden, präzisen Leitung Johannes Tolles mühelos lieferte und obendrein der Musik ein überwältigendes sinnliches Blühen gab. Man musste einfach applaudieren.

Die zweite Hälfte gehörte Chansons von Debussy, Poulenc und Ravel. Und wenn auch einzelne Soli sich manchmal ihren sängerischen Grenzen näherten, überzeugte doch das Ensemble auch hier durch atmende Präzision und strahlenden Schönklang, den man noch in zwei Zugaben genießen durfte.

Friedrich Sprondel (Badische Zeitung, 26. Juni 2002)